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Forschung am Department für Augenheilkunde in Tübingen

Ein Förderschwerpunkt der Helmut Ecker Stiftung

 

Text: Marius Ueffing, Simon Clar und Karl Ulrich-Bartz-Schmidt

 

Das Auge ist vor allen anderen das Organ, womit Menschen die Welt erfassen - Sehen zu können, ist eine der wichtigsten Fähigkeiten des Menschen. Diese Fähigkeit ist bedroht und kann verloren werden, wenn Menschen an der Altersbedingten Makuladegeneration, der AMD erkranken. Die AMD schädigt die Makula, den Bereich der Netzhaut, der für das detaillierte zentrale Sehen zuständig ist. Infolgedessen verlieren Menschen mit AMD nach und nach die Fähigkeiten selbstständig Auto zu fahren, Gesichter zu erkennen und diese zu lesen. In späten Stadien geht es darum eigenständig zu navigieren bis hin zur Erblindung. Weltweit sind derzeit 196 Millionen Menschen davon betroffen. Obwohl in den letzten Jahrzehnten große Fortschritte erzielt wurden die feuchte Form der AMD zu behandeln, gibt es für ihre häufigste, die trockene Form, keine zufriedenstellenden Behandlungsmöglichkeiten. Um neue therapeutische Ansätze zu finden, müssen die zugrunde liegenden molekularbiologischen Mechanismen dieser Erkrankung wesentlich tiefer verstanden werden als bisher. 

Tübinger Forscher bauen Behandlungsschwerpunkt in für AMD auf

 

Die Entwicklung neuer Behandlungsmethoden für die AMD ist einer der wichtigsten Schwerpunkte am Department für Augenheilkunde in Tübingen, eines der leistungsstärksten Zentren für Augenheilkunde in Europa. Angefangen mit der wegbereitenden Arbeit von Prof. Karl Ulrich Bartz-Schmidt, dem ärztlichen Direktor der Augenklinik in Tübingen, der zeitgleich mit einem amerikanischen Team einer der Ersten war, der erkannte, dass man die für die Onkologie entwickelten anti-VEGF Antikörper im Auge zur Behandlung der feuchten AMD einsetzen kann. Ein Therapieverfahren, dass die Erblindung durch die AMD verhindert und heute millionenfach klinisch eingesetzt wird, und fortgeführt durch die Arbeit von Prof. Marius Ueffing, dem Direktor des Forschungsinstituts für Augenheilkunde. Ihm gelang es, Europas größtes und leistungsfähigstes Forschungscluster für AMD, EYE-RISK zu bilden. Den Tübinger Forschern ist es gelungen, in über mehr als 20 Jahren einen der größten und wissenschaftlich erfolgreichsten Forschungs- und Behandlungsschwerpunkte für die AMD aufzubauen.

Der von der EU geförderte Forschungsverbund EYE-RISK konnte die Ursachen der AMD anhand der Daten von mehr als 60.000 Betroffenen sehr genau beschreiben. Die mit fortgeschrittenem Alter verbundenen Veränderungen im hinteren Augenabschnitt, ungesunde Lebensgewohnheiten wie Rauchen und ungesunde Ernährung sowie genetische Risikovarianten tragen zur Entstehung von AMD bei.

Helmut Ecker Stiftung ermöglicht Europas größte AMD-Gewebebank

 

Durch Förderung der Helmut Ecker Stiftung konnte in Tübingen eine AMD-Gewebebank aufgebaut werden, mit der auf Grundlage von Post-mortem Spendergewebe die pathologischen Veränderungen des von der AMD betroffenen hinteren Augenabschnittes systematisch untersucht werden können. Sie ist die größte Gewebebank ihrer Art in Europa. Darüber hinaus wird seit 2023 in Tübingen im großen Umfang die Aufbereitung von strukturierten klinischen Daten in Kombination mit Bilddaten von 6 deutschen Standorten für die KI-basierte Analyse vorangetrieben. Dies geschieht im Rahmen des EyeMatics-Projekts, einem Use Case der Medizininformatik-Initiative des Bundes. Ferner koordiniert das Department das Augenuntersuchungsmodul der deutschen nationalen Kohorte an 18 Zentren. Im eigens eingerichteten Tübinger Reading Center werden die Basis- und Nachuntersuchungen von 40.000 Probanden ausgewertet. 

Die Helmut-Ecker-Stiftungsprofessur für Altersbedingte Makuladegeneration

 

2019 entschied sich der Vorstand der Helmut Ecker Stiftung, Stiftungsmittel gezielt einzusetzen. Am Department für Augenheilkunde wurde auf Initiative der Stiftung im Jahr 2019 eine für 5 Jahre geförderte Universitäts-Professur für Mechanismen der altersbedingten Makuladegeneration (AMD) geschaffen und nach einer offenen Ausschreibung Simon J. Clark aus Manchester auf diese Professur berufen. Prof. Clark ist ein international anerkannter Experte für die Immunologie des Auges und die AMD. Seine Forschung konzentriert sich auf die Rolle des Komplementsystems, einem wichtigen Bestandteil des Immunsystems, das in der Genetik und Pathologie der AMD eine entscheidende Rolle spielt. Prof. Clark hat ein dynamisches Team aufgebaut, das untersucht, wie genetische und umweltbedingte Faktoren, die mit der AMD assoziiert sind, mit Immunprozessen im Auge interagieren. Die Arbeit der Forschungsgruppe um Simon Clark liefert nicht nur wertvolle Erkenntnisse darüber, warum AMD entsteht und wie sie besser verhindert oder behandelt werden kann, sondern trägt auch zur Ausbildung der nächsten Generation von Netzhautforschern bei. Nach der positiven Evaluation seiner Arbeit durch die Medizinische Fakultät im Juli 2024 wurde diese Professur als unbefristete Professur verstetigt und wird nun vom Land Baden-Württemberg getragen.

Die Einrichtung des Stiftungslehrstuhls ist ein Vermächtnis von Helmut Ecker, dass es ermöglicht, langfristig und zielgerichtet weitere Grundlagen für eine zukünftig bessere Behandlung der AMD zu schaffen. Angesichts des langen Wegs von der Grundlagenforschung bis zur klinisch eingesetzten Therapie gewährleistet dies eine Kontinuität, die es in der meist kurzfristig angelegten Projektförderung über öffentliche Gelder derzeit nicht gibt. Es schafft die Möglichkeit, ambitionierte Projekte mit langfristiger Perspektive zu verfolgen, die darauf zielen auch die trockene AMD behandelbar zu machen und damit Millionen Menschen Sehverlust und Erblindung zu ersparen.

Mit seiner Entscheidung, sein Vermögen für dieses Ziel zu geben, ohne selbst noch davon profitieren zu können, hat Helmut Ecker über seinen Tod hinaus ein Beispiel gegeben für zutiefst Selbstloses Tun zum Wohle derer, die immer noch an derselben Krankheit leiden müssen wie er selbst. Sein letzter Wille symbolisiert seine Überzeugung, dass wir Leid und Unglück überwinden können, wenn wir gemeinsam handeln. Es spiegelt auch seine Überzeugung, dass Forschung und Entwicklung der Weg zur Bewältigung einer der derzeit drängendsten Herausforderungen in der Augenheilkunde ist. Diese Überzeugung in die Wirklichkeit zu bringen, ist der Auftrag, dem sich die Tübinger AMD Forscher im Vermächtnis von Helmut Ecker stellen.